Dienstag, 28. September 2010

Kompressionsstrümpfe: Tipps


Obgleich die Kompressionstherapie die Basis vieler phlebologischer Erkrankungen  darstellt stößt sie bei vielen Betroffenen auf Ablehnung oder wird nur halbherzig toleriert. Moderne Strumpfmaterialien und zahlreiche Hilfsmittel haben den Umgang mit Kompressionsstrümpfen jedoch deutlich verbessert, dennoch gibt es einige Stolperfallen. Hier ein paar Tipps:

Beim Anziehen der Strümpfe sollte die Haut trocken sein; für eine bessere Griffigkeit sorgen Gummihandschuhe mit Noppen an den Fingerspitzen (Haushaltshandschuhe).

Beim Abholen der Strümpfe sollten Sie diese nicht einfach nur in Empfang nehmen, sondern sich das korrekte Anziehen im Sanitätshaus erklären lassen.

Kompressionsstrümpfe sollte man sich in einem größeren Sanitätszentrum besorgen, nicht im Miederwarengeschäft um die Ecke. In größeren Zentren ist das Personal in der Regel geschulter und professioneller. Bereits beim Abmessen und Anpassen können gravierende Fehler unterlaufen!

Zur Erleichterung des An- bzw. Ausziehens gibt es eine Reihe von Hilfsmitteln. Zum Beispiel eine Gleitsocke, die aus glattem Material ist und zunächst über den Fuß gestülpt wird, damit der Kompressionsstrumpf beim Anziehen besser rutscht. Auch gibt es Halterungen aus Metall, auf die der Strumpf aufgespannt wird und das Hineinschlüpfen einfacher gelingt. Diese Hilfsmittel sollte man sich im Sanitätshaus demonstrieren lassen und sie am besten vor Ort ausprobieren. 

Der Kompressionsstrumpf sollte tagsüber kontinuierlich getragen werden, insbesondere wenn man viel Stehen oder Sitzen muss.  Nachts muss man sie normalerweise nicht tragen.

Die Dauer einer Kompressionsbehandlung hängt von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. Hier einige Richtwerte, die aber von Patient zu Patient variabel sein können:

  • Nach Krampfaderoperation: 6 Wochen
  • Nach Sklerosierung größerer Varizen: vom ersten bis letzten Termin + 3 Wochen
  • Nach Besenreiserverödung: 1 Woche
  • Nach Venenentzündung (Thrombophlebitis): min. 2 Wochen, je nach Befund/Ausdehnung/Verlauf auch länger
  • Nach Thrombose: mindestens 3 Monate; je nach Verlauf auch länger
  • Bei einem postthrombotischen Syndrom, Lymphödem oder Ulcus cruris: meist lebenslang



Kompressionsstrümpfe haben eine Peelingeffekt: die Haut trocknet aus und schuppt, es entstehen Rötungen und Juckreiz. Am Abend sollte die Haut daher mit einer feuchtigkeitspendenden Creme oder Salbe gepflegt werden, um dem vorzubeugen. Keine Lotions, die ziehen zu schnell ein und der Feuchtigkeitseffekt ist schnell verflogen!

Halten Sie sich an die Pflegeanweisung des Herstellers. Kompressionsstrümpfe gehören weder in die Kochwäsche, den Trockner noch über die Heizung gelegt.  In der Regel vertragen sie  keinen Weichspüler.
Kompressionsstrümpfe sollten idealerweise perfekt sitzen, denn sie müssen konsequent getragen werden, damit der gewünschte Kompressionseffekt eintritt. Sollten sie nicht richtig sitzen, Einschnürungen oder Scheuerstellen auftreten oder Sie mit den Strümpfen einfach nicht zurecht kommen: Rücksprache mit dem Sanitätshaus oder Ihrem behandelnden Arzt nehmen!

Kompressionsstrümpfe halten nicht ewig, meist ist der gewünschte Kompressionsdruck nach 6 Monaten verpufft und es müssen neue her. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Ihnen pro Jahr 2 Paar Kompressionsstrümpfe, die gut gepflegt werden müssen.

Stützstrümpfe, die beispielsweise bettlägerigen Patienten im Krankenhaus zur Thrombose angezogen werden, sind nicht mit Kompressionsstrümpfen gleichzusetzen, dass sie viel zu geringe Kompressionswerte aufweisen!