Mittwoch, 22. September 2010

Jetzt wird´s eng: Kompressionsstrümpfe


Der Grundpfeiler in der Behandlung von Venenerkrankungen ist die optimale, individuell angepasste Kompressionsbehandlung. Etwa 75% der Patienten mit Venen- und Lymphgefäßerkrankungen können alleine durch diese Maßnahmen erfolgreich behandelt werden. Schon im alten Ägypten versuchte man durch Anlegen von Bandagen Beinbeschwerden zu lindern. Aus dem Mittelalter ist überliefert, das den Beinkranken Schnürgamaschen aus Leder angepasst wurden. Ohne dass man damals die pathophysiologischen Zusammenhänge kannte, wurde unbewusst das Richtige unternommen. Erst in jüngerer Zeit wurde die Kompressionstherapie erforscht und begründet, zugleich wurden die  erforderlichen Mittel zur Kompressionserzeugung immer weiter verbessert und für den Patienten komfortabler. 

Das Prinzip der Kompressionsbehandlung beruht darauf, dass die Venengefäße etwas zusammengedrückt werden. Durch den geringeren Venendurchmesser muss das sich stauende Blut schneller fließen. Es wird also die Strömungsgeschwindigkeit des Venenblutes gesteigert, wodurch der Rückfluss Richtung Herz schneller erfolgt. Auch die Effektivität der verschiedenen Muskelpumpen in unseren Beinen wird durch die Kompressionsbehandlung gesteigert, wobei die volle Ausschöpfung erst erreicht wird, wenn man sich unter der Kompressionsbehandlung viel bewegt. Der Blutstrom über defekte Perforansvenen (die Leitersprossen) gegen die Haut wird messbar reduziert, so dass das Blut wieder wie ursprünglich vorgesehen überwiegend über die tiefen Leitvenen abfließt. 

Die typische Stauungsproblematik –dicke Beine durch Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe– wird gelindert, da durch die Kompression nicht nur Druck auf die Venen ausgeübt wird, sondern natürlich auch auf das umgebende Gewebe. So merkwürdig es klingt, durch die Kompression wird die Mikrozirkulation in den winzigen Hautgefäßen, den Kapillaren, verbessert und somit auch die Hautdurchblutung. Die Kompressionsbehandlung dient in erster Linie der Verhütung der venös bedingten Stauungsbeschwerden und soll die gefürchteten Komplikationen wie z.B. das Ulcus cruris verhindern. Da venöse Erkrankungen in der Regel fortschreiten, muss die Kompressionsbehandlung konsequent durchgeführt werden.

Die Kompressionsbehandlung wird durchgeführt bei:
  • primärer und sekundärer Varikosis 
  • Varizen und/oder Ödemen während der Schwangerschaft 
  • Thrombophlebitis 
  • Thrombosevorbeugung 
  • während und nach eine Phlebothrombose 
  • Postthrombotisches Syndrom 
  • Ödeme nach Unfällen oder Operationen 
  • Lymphödeme 
  • Lipödeme 
  • nach eine Verödungsbehandlung

Vorsichtig sollte man mit einer Kompressionsbehandlung sein bei:
  • Unverträglichkeit auf das Kompressionsstrumpf- oder Kompressionsbindenmaterial 
  • Gefühlsstörungen in den Beinen 
  • Nervenerkrankungen in den Beinen wie z.B. bei Diabetikern


Eine Kompressionsbehandlung darf nicht durchgeführt werden bei:
  • fortgeschrittener arterieller Verschlusskrankheit (sog. Raucherbeine) 
  • fortgeschrittener Herzinsuffizienz 
  • einer ausgedehnten Thrombose, die alle Venen des Beines betrifft und kein Blut mehr aus dem betroffenen Bein abfließen lässt