Mittwoch, 12. Januar 2011

Krampfader-Therapie: Kompressionsverbände


Die Kompressionsbehandlung ist die Basistherapie einer jeden konservativen Krampfader-Behandlung und kann auch bei invasiven Maßnahmen zusätzlich unterstützend wirken. Sie ist keineswegs eine altertümliche Behandlungsmaßnahme, sondern hat trotz der hochmodernen Therapie-Optionen auch heutzutage einen hohen Stellenwert in der Krampfader-Behandlung, vorausgesetzt sie wird korrekt und insbesondere konsequent durchgeführt.


Es werden unterschieden:
  • Kompressionsverbände
  • Kompressionsstrümpfe/Strumpfhosen
  • intermittierende pneumatische Kompression („IPK“)

Strenggenommen gehört die Kompressionsbehandlung zu den physikalischen Maßnahmen und hat folgende Ziele:
  • Verbesserung des gestörten Blutflusses der Beinvenen
  • Reduktion der Stauungs-Beschwerden
  • Ödem-Reduktion und dadurch Verhinderung der Entzündungsreaktionen des Gewebes
  • Verhinderung chronischer Beschwerden, die nicht mehr dauerhaft behebbar sind


Kompressionsverbände zur Akuttherapie, Kompressionsstrümpfe zur Dauertherapie 

Kompressionsverbände werden meist nur in der Akuttherapie angelegt, also wenn in massiv gestauten Beinen zunächst die eingelagerte Ödemflüssigkeit reduziert werden muss. Mit anderen Worten: Kompressionsverbände machen die Beine schlank, Kompressionsstrümpfe halten die Beine zur Dauertherapie schlank.



Die Behandlung mit Kompressionsverbänden ist eine Wissenschaft für sich. Es existiert eine Vielzahl von Verbänden, also Binden, die sich hinsichtlich Material, Elastizität (Kurz-, Mittel- Langzugbinden), Hafteigenschaften, Abmessungen und Pflegeeigenschaften unterscheiden. Auch gibt es verschiedene „Wickeltechniken“, die teilweise mit Eigennamen versehen sind: Pütter-, Unna-, Fischerverband, auch existieren Dachziegel- und Kornährenverbände.  Daneben existieren auch noch verschiedene Hilfsmittel, die je nach Befund zum Anlegen eines Kompressionsverbandes benötigt werden: Wundauflagen, Polstermaterial wie Watte, Schaumstoffe und Silikon sowie Rutschhilfen. Welche Verbandsmaterialen und Wickeltechnik der behandelnde Arzt einsetzt ist letztlich eher unerheblich: er muss jedoch ein klares Therapiekonzept haben und seine Technik sicher beherrschen.

Der Kompressionsverband kann als sog. Dauer- oder Wechselverband angelegt werden. Dauerverbände werden „rund um die Uhr“ getragen und bestehen meist aus selbstklebendem oder aushärtendem Material (Zinkleimverband oder sogar Gipswickel), die relativ schnell zu einer Abschwellung des gestauten Beines führen, so dass sie regelmäßig (meiste nach wenigen Tagen) erneuert werden müssen, damit sie nicht zu locker sitzen und der gewünschte Effekt dadurch verpufft. Bei direkt auf die Haut aufgebrachten Klebeverbänden kann es gelegentlich zu Hautreizungen kommen; weiterer Nachteil sind Einschränkungen bei der Körperpflege, denn mit den Verbänden kann man nicht unter die Dusche oder in die Badewanne. 

Dauerverbände werden in der Regel nicht sehr häufig angelegt, sie sind eigentlich nur bei massiven Stauungen der Beine erforderlich. Der durchschnittliche Krampfader-Patient wird wahrscheinlich nie einen Dauerverband benötigen, sofern er sich beizeiten um seine Krampfader-Problematik kümmert.  Wechselverbände werden regelmäßig - meist täglich - erneuert und haben den Vorteil, dass der Lokalbefund der Beine oder aber auch Wunden regelmäßig kontrolliert werden können. Während das Material der Dauerverbände nicht wiederverwendet werden kann, ist das Verbandsmaterial der Wechselverbände waschbar.

Phlebologischerseits wird als Standard ein Wechselverband mit sog. Kurzzugbinden angelegt. Kurzzugbinden sind relativ unelastisch und somit nicht sehr dehnbar, was sehr unbequem klingt und schlimmes befürchten lässt. Aber ganz im Gegenteil, sie haben folgenden Vorteil: sie haben einen niedrigen Ruhedruck, d.h. wenn der Patient nicht auf den Beinen ist, also sitzt, die Beine hochlegt oder schläft sind sie relativ komfortabel zu tragen. Geht der Patient umher und betätigt seine Wadenmuskeln, weisen Kurzugbinden einen hohen Arbeitsdruck auf, wodurch der Blutfluss in den Beinvenen deutlich verbessert wird.

Ruhedruck > Dauerdruck von außen durch den Kompressionsverband während der Inaktivität

Arbeitsdruck > Druck, der beim Umhergehen durch die sich gegen den Verband stemmenden Muskeln erzeugt wird, also „von innen“ kommt

Allerdings haben die Verbände mit Kurzzugbinden auch Nachteile: das korrekte Anlegen ist eine Kunst für sich und muss auch vom Patienten trainiert werden. In der Regel muss er sich die Verbände nämlich selbst anlegen, denn er wird wohl kaum jeden Tag bei seinem Arzt vorbeischauen, damit er die Beine gewickelt bekommt! Auch sind die Verbände nur für mobile Betroffene sinnvoll, da nur durch das Umhergehen der Arbeitsdruck entsteht und sich der gewünschte Kompressionseffekt entwickelt.

Ziel einer Behandlung mit Kompressionsverbänden ist es, gestaute Beine schlank zu bekommen und möglichst schnell auf die komfortableren Kompressionsstrümpfe oder auch -strumpfhosen zur Dauertherapie umzusteigen. Bei vielen Krampfader-Patienten ist eine Behandlung mit Kompressionsverbänden übrigens gar nicht notwendig, sie können gleich mit Strümpfen versorgt werden sofern  sie keine ausgeprägte Beinschwellung vorweisen.

Kleine Animation zum Anlegen eines Kompressionsverbandes (Beispiel):