Samstag, 22. Januar 2011

Krampfader-Therapie: intermittierende pneumatische Kompression („IPK“)


Die „IPK“ ist  vom Prinzip her eine einfache, aber doch sehr spezielle Methode der Kompressionsbehandlung, die allerdings fortgeschrittenen und/oder hartnäckigen Stauungsproblemen vorbehalten. Der durchschnittliche Krampfader-Patient wird sie kaum benötigen.

Das Prinzip der Behandlung besteht darin, dass um die ödemgestaute Gliedmasse eine Manschette gelegt wird, die intervallartig mit Luft gefüllt wird, so dass die Extremität komprimiert wird. Der aufgebaute Druck liegt je nach Ausprägung der Ödembildung zwischen 12 und 200 mm Hg (zum Vergleich: der normale Blutdruck am Arm gemessen beträgt um 120/80 mm Hg). Dadurch werden sowohl der Blutfluss in den Venen auf Trapp gebracht als auch der Abfluss von Lymphflüssigkeit wesentlich verbessert.

Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts existierten abenteuerliche pumpenähnliche Konstruktionen zur „Verminderung des Volumens der Glieder“. Die erste kommerzielle Herstellung von Ein-Kammer-Luftsystemen erfolgte erst um 1960 in den USA und war lange Therapiestandard. Durch den breiteren Therapieeinsatz entwickelte man schließlich die heute noch gebräuchlichen Mehr-Kammer-Systeme, die es in Arm-, Bein-, Hüft- und Hosenform gibt.

Eine Heimtherapie ist möglich, d. h. der Patient hat seine IPK-Gerätschaft zu Hause und kann diese mehrfach wöchentlich benutzen. 



Die wichtigsten Indikationen zur IPK sind ausgeprägte Schwellungszustände bei:

  • Postthrombotischen Syndrom 
  • Ulcus cruris 
  • Primäre oder sekundäre Varikosis 
  • Unfallbedingte Ödeme 
  • Lymphödeme 
  • Lipödeme

Die Wirksamkeit der IPK bei der CVI (chronisch-venösen Insuffizienz), beim postthrombotischen Syndrom und beim Ulcus cruris („offenem Bein“)  ist gut belegt. Beim Ulcus cruris beschleunigt die IPK zusätzlich zur Behandlung mit Kompressionsverbänden oder -strümpfen die Abheilung des Ulcus deutlich.

Heutzutage werden fast ausschließlich Mehr-Kammer-Geräte eingesetzt. Die Anzahl der Behandlungen pro Woche hängen vom jeweiligen Krankheitsbild ab. Pro Sitzung sind 30 Minuten Anwendungsdauer die Regel. Auch wenn die heutigen Geräte bis zu 200 mm Hg Druck aufbauen können sollten prinzipiell keine Drücke von über 100 mm Hg verwendet werden. Bei venös bedingten Ödemen liegt der optimale Druck zwischen 20 und 40 mm Hg.

Nicht angewendet werden darf die IPK bei:

  • fortgeschrittener Herzinsuffizienz 
  • Thrombophlebitis 
  • Thrombose oder Thromboseverdacht 
  • Entzündlichen Hauterkrankungen 
  • Schwerem, nicht eingestelltem Bluthochdruck 
  • Weichteilverletzungen 
  • Nervenerkrankung der Gliedmaße