Sonntag, 27. Februar 2011

Ulcus cruris venosum (1): Definition, Ursachen und Diagnostik


Das Ulcus cruris venosum, umgangssprachlich auch „offenes Bein“ genannt, ist die schwerwiegendste Komplikation der chronisch venösen Insuffizienz. Man versteht darunter eine chronische, nässende Wunde, meist über der Innenseite des Unterschenkels und der Innenknöchelregion lokalisiert, die über lange Zeit nicht spontan abheilt. Zeigt die Wunde unter optimaler phlebologischer Behandlung keine Heilungstendenz bzw. ist sie innerhalb von 12 Monaten nicht abgeheilt, spricht man von einem therapieresistenten Ulcus.

Laut der Bonner Venenstudie 2003 leiden rund 80.000 Deutsche zwischen dem 18. und 79. Lebensjahr unter einem Ulcus cruris. Die Häufigkeit ist stark altersabhängig: zwischen dem 30. und 39. Lebensjahr liegt sie bei 0,2%, ab dem 80. Lebensjahr je nach Studie bei über 3%. Frauen sind doppelt so häufig davon betroffen wie Männer.

Die Haut stirbt ab
Ursache des Ulcus cruris venosum ist die chronisch venöse Insuffizienz. Ursächlich ist ein Versagen der Venenklappen: entweder primär wie bei der Krampfader-Erkrankung oder aber sekundär durch Verstopfen der tiefen Beinvenen durch eine Thrombose. In beiden Fällen kommt es zu einem Zurückfließen des Blutes in den Beinvenen Richtung Fuß, was zu einer vermehrten Druck- und Volumenbelastung der Venen führt. Es entstehen Ödeme, die zu den typischen Beschwerden der CVI führt: müde, schwere Beine, Kribbeln, krampfartige Beschwerden. 
Nimmt die Ödembildung überhand und wird nicht rechtzeitig eingegriffen kommt es durch komplizierte biochemische Veränderungen zu Störungen der Hautkapillaren, d.h. zu Durchblutungsstörungen der Haut, deren Sauerstoffversorgung zusammenbricht und zu einem Untergang von Hautzellen führt. Der Zelluntergang führt zum Absterben der Haut, es entsteht eine chronische Wunde mit stark beeinträchtigter Spontanheilungstendenz. Das Ulcus kann spontan entstehen oder aber durch Bagatellverletzungen. Ein kleiner Kratzer genügt…

Ulcus cruris venosum über dem Innenknöchel

Die Diagnostik beim Ulcus cruris entspricht der phlebologischen Diagnostik:

Phlebologische Diagnostik



Die phlebologische Diagnostik soll auch klären, ob das Ulcus cruris tatsächlich durch eine Venenerkrankung entstanden ist, denn auch andere Erkrankungen kommen als Auslöser in Frage:
  • arterielle Durchblutungsstörungen („Raucherbein“)
  • Lymphabflussstörungen
  • Vaskulitiden („Gefäßentzündungen“)
  • Zirkulationsstörungen bei Diabetes mellitus
  • Blut- und Knochenmarkserkrankungen
  • neurologische Erkrankungen
  • Infektionen (Bakterien, Viren, Pilze)
  • Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Gicht)
  • Hauttumoren