Montag, 18. Oktober 2010

Die fünf verschiedenen Krampfader-Typen


Bei der Krampfadererkrankung unterscheidet man zum einen nach der Ursache ihrer Entstehung (primäre und sekundäre Varikosis). Eine weitere Unterscheidung ergibt sich aber auch, je nachdem welche Venen betroffen sind.


Die Stammvenen sind die unter der Haut unserer Beine verlaufenden Venen, nämlich die Vena saphena magna und die Vena saphena parva. Werden sie zu Krampfadern bezeichnet man sie als Stammvarizen und das zugehörige Krankheitsbild als Stammvarikosis. In der Regel findet man diese Varizen an der Innenseite des Beines oder aber der Rückseite des Unterschenkels mitten über der Wade. Da nicht nur der jeweilige Baumstamm zur Krampfader wird, sondern auch die Äste, spricht man auch von Stamm- und Astvarikosis

A = Vena saphena magna; B = Vena saphena parva



Es gibt auch die Variante der reinen Seitenastvarikosis, bei der die Venenstämme der Vena saphena magna bzw. Vene saphena parva keine krankhaften Veränderungen aufweisen und die Krampfaderbildung sich auf die verzweigten Äste beschränkt.


Auch die Querverbindungen zwischen den tiefen Bein- und den oberflächlichen Stammvenen, die Perforansvenen können krankhafte Veränderungen entwickeln. Eine ausgeprägte Perforansvarikosis ist bei entsprechender Erfahrung bereits auf den ersten Blick an einer kugeligen Vorwölbung der Haut an dieser Stelle zu erkennen. Sie fühlt sich weich an, kann problemlos eingedrückt werden und wird als „blow-out“ bezeichnet. Sind mehrere Perforansvenen betroffen findet man die Vorwölbungen an mehreren Stellen hintereinanderweg, was wie eine unter der Haut befindliche Perlenschnur aussieht. Perforansvarizen können ausgesprochen schmerzhaft sein und obwohl sie recht kleine Venen sind zu schwersten Hautschäden, den offenen Beinen, führen!

Perforansveneninsuffizienz: blow-out



Der Begriff „retikulär“ kommt vom lateinischen Wort „retis“, was Netz bedeutet. Retikuläre Varizen findet man häufig im Bereich der Kniekehle, wo sie netzförmig angeordnet sind. Es handelt sich hierbei um Erweiterungen von kleinen Venen, die sich am Übergang der Haut zum Unterhautfettgewebe befinden. Sie verursachen keine Beschwerden oder sonstigen Probleme, können aber ein kosmetisch sehr störend sein.


Besenreiser sind Erweiterungen von winzigen Hautvenen mit einem Durchmesser von bis zu einem Millimeter, die rot, blau oder violett sein können und leicht geschlängelt sind. Auch sie haben per se keinen Krankheitswert, d. h. sie selbst verursachen keine Beschwerden, können aber ebenfalls kosmetisch störend sein. Aber wie auch die retikulären Varizen können sie die Vorstufe bedeutsamer und krankhafter Venenveränderungen sein insbesondere dann, wenn sie abrupt innerhalb kurzer Zeit aufgetreten sind. Sie sollten immer Anlass zu einer genauen Untersuchung der Beinvenen sein. Sollten keine weiteren Venen krankhaft verändert sein, so sollten Besenreiser und retikuläre Varizen die Betroffenen motivieren, sich mehr um ihre Venen zu kümmern und vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.



Die verschiedenen Krampfader-Typen treten natürlich nicht immer isoliert auf. Oft weisen Krampfader-Patienten ein buntes Bild auf bestehend aus Stamm- und Astvarikosis, blow-outs infolge einer Perforansveneninsuffizienz, zusätzlich noch retikuläre Varizen und Besenreiser.